25. August 2025

Bauern aus dem „Ländchen“ fordern Bündelung der Amprion-Strom Trassen

Sieben Kilometer zu viel

Genug ist genug, finden die Ortslandwirte rund um Wallau und fordern eine geschicktere Planbung beim Bau des Rhein-Main-Link.
Bildunterschrift v.l.: Die Initiatoren für die Trassenbündelung und Flächen- und Naturerhalt vor dem Wickerbachtal: Landwirt Wolfgang Kaiser, Kreislandwirt Wiesbaden Ditmar Kranz, Landwirt Markus Pfeiffer, Ortslandwirt Nordenstadt Bernd Dressler, Stv. Ortslandwirt Wallau Reiner Paul, Ortslandwirt Wallau Rainer Kahl. Foto: privat

Die Landwirte in Wallau, Nordenstadt und Delkenheim monieren den massiven Flächenverbrauch beim Bau von Erdkabeltrassen. Lesen Sie hier, warum die Bauern mehr Rücksicht, Transparenz und Effizienz bei der Planung fordern.

Im Rahmen seines Projekts „Rhein-Main-Link“ plant der Netzbetreiber Amprion, den Bau eines Energiekorridor von der Nordsee direkt ins Rhein-Main-Gebiet. Dieses Infrastruktur-Projekt soll aus Windenergie erzeugten Strom in unserer Region liefern. Der Transport erfolgt über Erdkabel. In der Gegend um Hofheim-Wallau sollen diese Erdkabeltrassen aufgeteilt werden und parallel verlaufen – eine Trasse westlich, eine östlich von Wallau. Jede dieser Leitungen beansprucht einen Baukorridor von 70 Metern Breite. Die Bauzeit beträgt mehrere Jahre.

Nicht nachvollziehbar

Für die Ortsbauernschaft Wallau, aber auch für Landwirte in den Nachbargemeinden Wiesbaden-Nordenstadt und Wiesbaden-Delkenheim ist diese doppelte Trassenführung weder ökologisch noch wirtschaftlich nachvollziehbar. Sie formulieren daher klare Forderungen an die Politik und den Netzbetreiber Amprion: „Nur eine anstatt zwei Trassen, sprich: eine verbindliche Bündelung der Trassen östlich von Wallau, eine vollständige Flächen- und Umweltbilanzierung aller Projekte, eine transparente, ortsübergreifende Kommunikation sowie eine politische Priorisierung des Agrarflächenschutzes.“

Die Energiewende mit diesem Projekt voranzutreiben sei richtig und wichtig – doch sie darf nicht auf dem Rücken der Regionen stattfinden, die bereits jetzt überproportional belastet sind.

„Uns ist klar: Die Trasse wird kommen, der Strom wird schließlich gebraucht. Aber die Trassenführung muss gerecht, effizient und verantwortungsbewusst gestaltet werden. Zwei Trassen zu bauen, macht definitiv keinen Sinn“, sagt der Nordenstadter Landwirt Markus Pfeiffer, der einen Großteil seiner Flächen im Wickerbachtal zwischen Wallau und Nordenstadt hat.

„Amprion selbst hebt in der Beschreibung des Projekts die Wichtigkeit von Trassenbündelung hervor. Aber ausgerechnet hier – in einer der fruchtbarsten und zugleich am stärksten belasteten Regionen Hessens – wird gedoppelt statt konzentriert“, kritisiert Kreislandwirt Ditmar Kranz.

Reiner Paul ergänzt: „Die Flächeninanspruchnahme ist insgesamt viel größer, da mehr Trassenkilometer gebaut werden, zusätzlich werden für jeden Trassenabschnitt Baustraßen benötigt – auch diese belasten zusätzlich mehr unsere Flächen und die Natur“.

Technisch möglich, ökologisch sinnvoll

Die Landwirte sehen eine deutlich bessere Lösung in der Bündelung beider Trassen östlich von Wallau. Diese sei technisch problemlos möglich, da sich dort bereits der Abzweig zur Konverter Station Kriftel befindet und die Weiterführung Richtung Wiesbadener Kreuz oder Wallau-Ost ohnehin vorgesehen ist, argumentiert Paul. Nach Einschätzung der Ortsbauernschaft lassen sich so rund sieben Kilometer zusätzlicher Baustellenfläche einsparen – mit erheblichen Vorteilen für Landwirtschaft, Umwelt und Anwohnerschaft. Bei der Bündelung der Trassen in der Ost-Variante werden acht Untertunnelungen eingespart. Zudem wird näher an bestehende Infrastruktur und Siedlungen gebaut. Ferner werden der für Delkenheim und Nordenstadt vorgesehene Flächennutzungsplan 2040 nicht tangiert, wenn auf die Trassenführung im Westen verzichtet wird, gibt Markus Bücher zu Bedenken.

Der Nordenstadter Ortslandwirt Bernd Dressler („Schwanenhof“) sagt: „Wir sind nicht gegen das Projekt. Aber es stört uns, wie es derzeit geplant wird. Es geht hier um den Erhalt der Natur und nicht das sinnlose Zerpflügen von Landschaft. Dass sind massive Einschnitte in die Natur, die nicht spurlos vorbeigehen werden – auch wenn die Erde später wieder zugeschoben wird.“

Rainer Kahl ergänzt: „Wenn solche Trassen schon gebaut werden müssen, dann bitte so effizient und rücksichtsvoll wie möglich.“ Eine Bündelung würde nicht nur den Verlust wertvoller Ackerfläche verringern, sondern auch Bauzeiten verkürzen, die Belastung für Mensch und Natur senken sowie Kosten bei Planung und Bau reduzieren.

Region unter Dauerbelastung

Die geplanten Erdkabel sind nur ein Puzzlestück in einer Vielzahl großflächiger Infrastrukturprojekte, die die Region dauerhaft verändern – und überlasten. Insgesamt droht der Verlust von mehr als 140 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche. Unter anderem entstehen neue Gewerbegebiete in Wallau Ost und Diedenbergen, zwei Konverter Stationen bei Wallau und Kriftel, ein Rechenzentrum in Marxheim, Wohnsiedlungen wie Marxheim II, die „Wallauer Spange“ mit Bahnhalt, ein Radschnellweg von Frankfurt nach Wiesbaden und der Ausbau der A66. Auch Flora und Fauna geraten unter Druck: Wanderkorridore verschwinden, Boden- und Wasserhaushalte werden gestört, Lebensräume gehen unwiederbringlich verloren.

Die Summe dieser Eingriffe gefährdet aus Sicht der Landwirte nicht nur das ökologische Gleichgewicht, sondern auch die wirtschaftliche Existenz vieler Betriebe. Mindestens zwei bis drei Betriebe in der Region stehen nach Einschätzung der Ortsbauernschaft bereits jetzt vor dem wirtschaftlichen Aus. „Bei einigen Betrieben wird es, wenn die Trassenführung so kommt wie derzeit geplant, Richtung Existenzgefährdung gehen“, sagt Markus Pfeiffer.

Ferner sei die Qualität des Wiesbadener Ostens als Naherholungsgebiet gefährdet. „Wir sollten versuchen, so weit wie möglich die Finger von natürlichen Räumen zu lassen, die über viele Jahrtausende so entstanden sind. Wir sind hier in einem Ballungsgebiet und müssen die wenigen Rückzugsräume in der Natur so gut wie nur möglich erhalten. Wo die Natur schön ist, gehen die Leute spazieren oder wandern du finden Erholung“, sagt Bernd Dressler abschließend. red

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