25. November 2025

Debatte um Rede prägt Wallauer Ortsbeiratssitzung

Stellungnahmen

Die 28. Sitzung des Wallauer Ortsbeirates am 20. November stand spürbar unter dem Eindruck der Rede, die der stellvertretende Ortsvorsteher Oliver Vogt (Freie Wähler) am Volkstrauertag gehalten hatte. Inhalt und Tonfall seiner knapp zweiminütigen Ansprache sorgten bei mehreren Teilnehmenden der Gedenkfeier für deutliche Irritationen. Kritik erreichte den Ortsbeirat anschließend sowohl per E-Mail als auch über Presseverteiler und Organisationen, die sich gegen Faschismus engagieren. Zusätzlich forderten Bürgerinnen und Bürger die Gremiumsmitglieder schriftlich zu einer klaren Distanzierung auf.

Entsprechend räumte Jörg Ströhmann, in Vertretung für die erkrankte Ortsvorsteherin Anja Hauzel, vor Beginn der regulären Tagesordnung Raum für die Stellungnahmen der Fraktionen ein. Da nur ein CDU-Mitglied die Gedenkfeier persönlich besucht hatte, griffen die übrigen Fraktionen auf die Aufzeichnung in Wallau Online zurück, um sich ein eigenes Bild zu machen.

Die SPD distanzierte sich in einer ausführlichen Stellungnahme ausdrücklich von Vogts Worten und bezeichnete die Rede als populistisch. Sprecherin Cornelia Koall verwies auf sprachwissenschaftliche Einordnungen und betonte, dass ein Ortsvorsteher beim Volkstrauertag nicht nur als Privatperson spreche, sondern das Gremium repräsentiere. Zugleich kündigte sie an, dass sich die SPD künftig stärker in die Gestaltung der Gedenkfeier einbringen wolle – mit lokalen Bezügen und der Einbindung junger Menschen und interaktiven Elementen. Damit Griff sie die Ideen der Hofheimer CDU auf, die die Feierlichkeiten bereits in diesem Jahr in einigen Ortsteilen moderner gestaltete.

Auch die Grünen schlossen sich der Haltung der SPD vollständig an. Für die CDU verlas Petra Schumann eine kurze Erklärung, wonach Vogt „zu keinem Zeitpunkt im Namen der Fraktion oder auf deren Geheiß“ gesprochen habe. Eine analoge Klarstellung gab auch Stefan Ullrich für die Freien Wähler ab. Oliver Vogt selbst war nicht anwesend, eine persönliche Stellungnahme lag nicht vor.

Fortschritte bei mehreren Projekten

Trotz des schwierigen Einstiegs konnten in der Sitzung mehrere kommunale Themen vorangebracht werden.
Recepturhof: Die Neubepflanzung ist abgeschlossen, im Frühjahr wird ein blühendes Erscheinungsbild im Ortskern erwartet.
Smiley-Anlage: Die Geschwindigkeitsanzeige im Rheingauer Weg wird abgebaut, geprüft und instandgesetzt – ein Schritt, der die jahrelange Hängepartie beenden soll.
Bürgerkoffer: Aufgrund gesunkener Nachfrage wird das mobile Service-Angebot 2026 nur noch an fünf Terminen in Wallau bereitstehen.
IKEA-Flohmarkt: Der beliebte Markt ist im kommenden Jahr für insgesamt elf Termine eingeplant.

Verkehr und Infrastruktur: teils klare, teils ernüchternde Antworten

Der Antrag auf einen Zebrastreifen im Bereich Weinbergstraße/Diedenbergerstraße wurde abgelehnt. In Tempo-30-Zonen würden Fußgängerüberwege nur in begründeten Ausnahmefällen eingerichtet; diese seien hier nicht gegeben.

Keine Fortschritte gibt es bei der weiterhin gesperrten Verbindung zur Fußgänger- und Radbrücke. Zwar wurde die Absperrung leicht verändert, der Weg bleibt aber geschlossen. Vertreter des Magistrats konnten keine Angaben zur Dauer machen.

Auch der Wunsch, die Wallauer Ampeln mit Akustiksignalen für sehbehinderte Menschen nachzurüsten, dürfte kaum realisierbar sein. Einige Anlagen sind technisch zu alt, andere könnten zwar umgerüstet werden – allerdings zu Gesamtkosten von rund 46.000 Euro.

Radschnellweg, Taunusstraße und Wallauer Spange

Mit drei Ja-Stimmen und drei Enthaltungen befürwortete der Ortsbeirat die Fortführung der Planung zum Radschnellweg FRM 3. Die Machbarkeitsstudie bescheinigt Wirtschaftlichkeit, dennoch äußerten CDU und Freie Wähler angesichts der hohen Investitionssumme von rund 30 Millionen Euro (für Hofheim, ohne Fördermittel) und paralleler Großprojekte wie A66-Ausbau und Wallauer Spange Bedenken.

Einstimmig beschlossen wurde hingegen eine Überprüfung der Beschilderung in der Taunusstraße zwischen Volksbank und Rheingauer Weg. Dort kommt es immer wieder zu Behinderungen durch falsch oder ungünstig abgestellte Fahrzeuge.

Zum Stand der Wallauer Spange liegen weiterhin keine neuen Informationen vor. Die CDU befürchtet, dass durch Verzögerungen bei notwendigen Förderanträgen nach der Streckeneröffnung zunächst Züge ohne Halt an Wallau vorbeifahren könnten.

Da die Terminplanung für 2026 noch nicht abgeschlossen ist, steht auch der Termin der ersten Sitzung im neuen Jahr noch nicht fest. psn

One thought on “Debatte um Rede prägt Wallauer Ortsbeiratssitzung

  1. Ich danke Herrn Vogt ausdrücklich für die Intension seiner Rede, als auch für die Zeit die er sich für diesen Tag genommen hat.
    Natürlich kann man in jeder Rede etwas Negatives finden, wenn man es darauf auslegt. Ich habe das Video gesehen und schon einige Kommentare gelesen.
    Das einzige was, ich nicht weiß und schwer objektiv zu recherchieren ist, ist die Thematik mit dem Geschichtsunterricht. Werden da die richtigen Themen in ausreichender Zeit behandelt?
    Jedoch kann ich keinen Populismus in der Rede erkennen. Weshalb stören sich einige an Erziehungsanstalt? Man kennt doch sicher auch die Fernsehanstalt oder etwa die Sendeanstalt.
    Weiterhin ist der Alt/Neuzeitliche Begriff Wokeness (woke) doch heutzutage inflationär mit vielen Themen und Ansichten besetzt.
    Fragt hundert Personen, was sie unter Wokeness verstehen, ihr werdet hundert verschiedene Antworten bekommen. Ob man dieses Wort immer im positiven Sinn zu verstehen hat, möchte ich nicht bewerten, da es viel Auslegungen beinhaltet. Jedoch empfand Herr Vogt in seiner Rede den Geschichtsunterricht wertiger und nachhaltiger als das Wort woke mit all seinen Facetten.
    Zu guter Letzt konnte ich auch nicht erkennen, dass Herr Vogt den Ukrainekrieg mit den Zuständen in unseren Städten in Verbindung brachte. Nein, er warnte vor schlechten Entwicklungen, die zu ernsten Konflikten führen können. Zu einer schlechten Entwicklung zähle ich auch einige Einlassungen in ihrer Art und Weise, die von verschiedenen Personen als auch Parteien gegenüber Herrn Vogt unterstellt wurden. Ich kann nur hoffen, das Herr Vogt sich weiterhin für die Allgemeinheit sich engagiert.

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