27. November 2025

Schweigen ist Gold

Kommentar zum Wallauer Volkstrauertag

von Mathias Schlosser

Was für eine Aufregung! Über keine Veranstaltung zum Volkstrauertag ist im ganzen Main-Taunus-Kreis in diesem Jahr mehr berichtet worden als über die traurige Gedenkfeier am Wallauer Friedhof. Staatstragend suchte Oliver Vogt als stellvertretender Ortsvorsteher vor einer Handvoll Zuhörern nach den richtigen Worten – und fand die falschen. Schulen als „Erziehungsanstalten“ zu bezeichnen, ist beleidigend für jede Lehrkraft. In den Städten „bürgerkriegsähnliche Zustände“ auszumachen, ist grober Unfug und verhöhnt die Opfer der echten Kriege.
Aber müssen deswegen gleich die „Omas gegen Rechts“ wie die römische Inquisition im Ortsbeirat auftauchen …

…und von allen Offiziellen eine Distanzierung verlangen? Nein, denn so misslungen die Rede von Oliver Vogt auch war, sie war durch die Meinungsfreiheit abgedeckt. Inhaltlich kann und muss man den schrägen Thesen natürlich widersprechen, aber für einen Skandal taugt der Wallauer Volkstrauertag 2025 in keinem Fall.
Besonders schal wirkt die Aufregung von SPD und Grünen. Cornelia Koall zum Beispiel hatte am Volkstrauertag offenbar Besseres vor als sich auf den kalten Friedhof zu stellen. Da fragt man sich schon, wie sehr der jetzt so schockierten SPD-Ortsbeirätin die Erinnerung an die Toten der Weltkriege wirklich am Herzen liegt. Und auch die Grünen hat man bei den Gedenkstunden auf dem Wallauer Friedhof seit Jahren nicht gesehen.
Bei alle dem wird vergessen, worauf es beim Volkstrauertag eigentlich ankommt. Es geht um ein friedliches, respektvolles Miteinander. Denn das ist die beste Prävention gegen Hass, Gewalt und Krieg. Wer dazu nicht richtig in der Lage ist, sollte vor, am und nach dem Volkstrauertag besser schweigen.

Das Video mit der umstrittenen Rede zum Volkstrauertag finden Sie hier.

4 thoughts on “Schweigen ist Gold

  1. Da kann ich mich nur anschließen !
    Das sind mir auch die liebsten, nicht Anwesend aber dann große Empörung zeigen.
    Auch wird hier, wie üblich in der Politik, was aus dem Kontext genommen um zu Polarisieren ! Ich denke Herr Vogt hat auf andere Probleme aufmerksam machen wollen und vielleicht eine unglückliche Wortwahl dafür benutzt.
    Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein.

  2. Ein Fuchs der Herr Schlosser, da erklärt er einfach mal die Omas gegen Rechts, die Grünen und die SPD für zu schlicht um die Meinungsfreiheit zu verstehen, positioniert sich als allwissender Mann und tut gleichzeitig einem alten Kumpel was Gutes. Solche Männer braucht das Land? Dann halten die Frauen wohl endlich wieder ihre dummen Plappermäulchen. Hoffentlich lassen sich die beteiligten Damen von soviel Stammtischintelligenz nicht aufhalten!

    1. Es wäre schön, wenn ich allwissend wäre. Bin ich aber leider nicht, sondern habe nur eine Meinung, die ich unabhängig von meinem Geschlecht vertrete. Und ich bin davon überzeugt, dass es keine Frage des Geschlechts ist, ob man seine Meinung sagt oder nicht. Es ist daher sehr gut, dass Sie „ihr dummes Plappermäulchen“ nicht gehalten haben. In einer Sache irren Sie aber: Herr Vogt ist nicht „mein alter Kumpel“. Ich kenne den Mann nicht einmal persönlich und habe ja wohl ganz klar geschrieben, was ich von seiner Rede halte.

  3. Sehr geehrter Herr Schlosser,
    haben Sie nicht auch den Eindruck, dass Ihr Beitrag widersprüchlich und irreführend ist? Da kritisieren Sie die Rede des stellv. Ortsvorstehers Vogt anlässlich des Volkstrauertags einerseits als „beleidigend für jede Lehrkraft“ und, was die angeblich „bürgerkriegsähnlichen Zustände“ in unseren Gemeinden betrifft, als „grober Unfug“, der „die Opfer der echten Kriege“ verhöhnt; andererseits meinen sie, ein „Schweigen ist Gold“ sei besser. Also Schwamm drüber! Die Äußerung sei durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Das ist ein Irrtum! Die Verbreitung falscher Nachrichten ist grundsätzlich nicht durch die Meinungsfreiheit gedeckt! Zwar ist das noch nicht strafbar. Aber Herr Vogt hat hier nicht als Privatperson gesprochen, sondern in seiner Eigenschaft als stellv. Ortsvorsteher. In dieser Funktion darf er keine extremen Meinungen vertreten, die das Vertrauen der Öffentlichkeit in eine unvoreingenommene, rechtsstaatliche Verwaltung beschädigen. Herrn Vogts Äußerung ist ideologisch motiviert. Mit der Falschbehauptung soll vermittelt werden, der Staat habe die öffentliche Sicherheit nicht mehr unter Kontrolle. Damit soll offenbar versucht werden, die Gesellschaft zu verunsichern und zu spalten. Das ist nicht akzeptabel! Ohne eindeutigen Widerspruch des Ortsbeirats entsteht in der Öffentlichkeit der Eindruck, der Ortsbeirat teile die Meinung seines stellvertretenden Vorsitzenden. Jetzt geht es darum, Schaden vom Ortsbeirat abzuwenden.
    Anstatt die Omas Gegen Rechts als „römische Inquisition“ zu diffamieren, sollten die Wallauer und Wallauerinnen dieser Gruppe, die sich für die Erhaltung unserer freiheitlichen, rechtsstaatlichen Demokratie einsetzt, dankbar dafür sein, dass sie diesen Skandal öffentlich gemacht hat.
    Mit Ihrem Artikel versuchen Sie, die rechtspopulistischen Äußerungen eines Politikers zu normalisieren („das muss man doch wohl sagen dürfen“). Damit tragen Sie zur Erosion unserer Demokratie bei.

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