5. Dezember 2025

Koalition der Erleuchteten

Wallauer Spitzen

von Mathias Schlosser

Am vergangenen Samstag hat Florian Silbereisen in der ARD wieder das „Adventsfest der 100.000 Lichter“ gefeiert. Eine lächerliche Veranstaltung – brennen doch allein in Wallau zurzeit geschätzt rund 300.000 LED-Lämpchen. Es gibt wahrscheinlich nicht einen Fleck im Stadtteil, von dem aus nicht mindestens eine Lichterkette zu sehen ist.
Die Inflation der Weihnachtsbeleuchtung ist gewaltig. Erst in den 60er-Jahren wurde der Vers „Advent, Advent, ein Lichtlein brennt“ erfunden, doch als es am Sonntag…

…dunkel wurde, leuchteten in Deutschland wahrscheinlich mit einem Schlag mehr als fünf Milliarden Lichter auf. Die verbrauchen dann an einem durchschnittlichen Abend rund eine Million Kilowattstunden Strom, also etwa das, was ein Atomkraftwerk in einer Stunde produziert. Wallau ist mit 65 Kilowattstunden dabei, womit ein Elektroauto ungefähr 325 Kilometer weit fahren könnte. Bis zum Dreikönigstag würde es mit dem Strom der örtlichen Weihnachtsbeleuchtungen bis nach Singapur kommen. Gut, dass wir im Frühjahr bei der „Earth Hour“ wieder für eine Stunde das Licht ausmachen.
All der Glitzer lässt aber auch tief in die Seelen der Menschen blicken. „Sag mir, was bei dir leuchtet und ich sag dir, wer du bist“, könnte man frei nach Goethe sagen. Da gibt es die Buchhalterin, die die Lichterketten exakt am Zaun ausrichtet und den Sponti, der die Lämpchen einfach über die Hecke wirft. Und wer bunte Lichter dauerblinken lässt, trinkt im Keller wahrscheinlich Kinderblut.
Immerhin eint die Billigware aus Fernost die Gesellschaft auf wundersame Weise. Denn den Schalter knipsen abends Arme und Reiche an, Schwarze und Weiße, Dumme und Schlaue, Rechte und Linke, Männer und Frauen – eine riesengroße Koalition der Erleuchteten. Wäre es doch nur immer so einfach. Und schön ist es auch noch.

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2 thoughts on “Koalition der Erleuchteten

  1. Das ist aber jemand mit dem falschen Fuß aufgestanden. Wenn Sie so spassbefreit sind, äußern Sie diese Meinungen doch bitte in der Besenkammer. Sie sind für mich das typische Beispiel eines Menschen, der unwichtig ist und damit nicht zurecht kommt. Ich weiss, dass unliebsame Kommentare hier wegzensiert werden, aber das ist mir egal, da ich sowieso nach diesem Fehltritt Wallau online von meinem Smartphone löschen werde. Und ich werde auch andere Nutzer darauf ansprechen, dies zu tun. Wer so gegen die freundlichen und friedlichen Absichten der Wallauer Bürger vorgeht, der hat nichts anderes verdient.

  2. Hätte nicht gedacht, dass ich erklären muss, dass die Glosse natürlich ironisch gemeint ist. Einer muss an Weihnachten ja den Ebenezer Scrooge geben.

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