26. Mai 2026

Wallau III sorgt erneut für Streit im Ortsbeirat

Kritik an der Hofheimer Stadtverwaltung wächst

Die zweite Sitzung des Wallauer Ortsbeirats hatte am Donnerstagabend vor allem ein Thema: den Umgang der Stadt Hofheim mit dem Verkehrsgutachten zum geplanten Gewerbegebiet Wallau III. Dabei wurde deutlich, wie groß inzwischen das Misstrauen im Gremium geworden ist.

Ärger über kurzfristige Einladung

Ortsvorsteher Jörg Ströhmann kritisierte scharf die Vorgehensweise der Stadtverwaltung rund um die kurzfristig geplante Präsentation des Verkehrsgutachtens. Besonders empörte ihn nach eigenen Worten, dass die Einladung im Namen der Ortsvorsteher von Wallau und Diedenbergen verschickt worden sei und gleichzeitig telefonisch eine schnelle Freigabe erwartet worden sei.

Für zusätzlichen Zündstoff sorgte die Frage, warum Ströhmann den Termin schließlich komplett abgesagt hatte, ohne vorher alle Ortsbeiratsmitglieder einzubinden. Dies kritisierte insbesondere Annkathrin Tempel (Grüne). Ströhmann entgegnete, genau diese fehlende Einbindung der Ortsbeiräte durch die Stadt sei ja einer der Hauptgründe für seine Entscheidung gewesen.

Eine Stellungnahme der beiden Ortsvorsteher lesen Sie hier.

Gutachten seit Monaten bekannt

Brisant dabei: Das Verkehrsgutachten liegt der Stadt offenbar bereits seit November 2025 vor. Bürgermeister Wilhelm Schultze hatte dies bereits auf Nachfrage von Petra Schumann (CDU) in der Februarsitzung bestätigt.

Im Ortsbeirat sorgte zudem für Unmut, dass Teile des Gutachtens offensichtlich bereits vorab an einzelne Medien weitergegeben worden waren, obwohl das Papier den Ortsbeiratsmitgliedern offiziell noch immer nicht vollständig vorliegt.

Warum die Präsentation nun plötzlich mit großem Zeitdruck erfolgen sollte, blieb unbeantwortet. In der Diskussion fiel mehrfach der Verdacht, dass eine möglichst geringe Bürgerbeteiligung ein Grund für das Vorgehen gewesen sein könnte.

Diskussion um mögliches Verteilerzentrum

Für die hitzigste Debatte des Abends sorgten Recherchen von Michael Paulus (Grüne). Er berichtete, im Internet würden bereits Interessenten für das neue Gewerbegebiet gesucht. Nach seinen Angaben passe das dort beschriebene Profil allerdings kaum zu dem bisher vorgestellten Konzept eines kleinteiligen IT- und Montage-Standortes. Vielmehr erinnerten die Ausschreibungen eher an ein mögliches Verteilerzentrum internationaler Versandhändler.

Im Ortsbeirat wurde daraufhin intensiv diskutiert, ob hier bereits Fakten geschaffen würden, bevor überhaupt politische Grundsatzentscheidungen gefallen seien. Einigkeit besteht im Gremium bislang nämlich darüber, dass ein großes Verteilerzentrum für Wallau ausdrücklich nicht gewollt sei. Genau deshalb war ursprünglich auch ein Verkehrsgutachten gefordert worden.

Unbeantwortet blieb zudem die Frage, warum die Stadt das Gutachten ausgerechnet vom Investor erstellen ließ – also von einer Partei, deren Interessen möglicherweise nicht mit denen der betroffenen Bürger übereinstimmen.

Smiley-Anlage bleibt weiter defekt

Neben Wallau III beschäftigten den Ortsbeirat auch mehrere bekannte Dauerbrenner. So wartet Wallau weiterhin auf die Reparatur der sogenannten Smiley-Anlage zur Geschwindigkeitsanzeige. Diese war ursprünglich vom Ortsbeirat finanziert worden, ist inzwischen jedoch defekt. Wann eine Reparatur erfolgt, blieb offen.

Verkauf des alten Ländcheshallen-Geländes verzögert sich

Auch die Zukunft des alten Ländcheshallen-Geländes war erneut Thema. Nachdem die Stadt beschlossen hat, dass ein künftiger Investor den Abriss selbst übernehmen muss, haben sich die Chancen auf eine schnelle Vermarktung offenbar verschlechtert. Nach Angaben aus der Sitzung laufen zwar weiterhin Gespräche mit Interessenten, mit einem Verkauf wird derzeit aber frühestens im Jahr 2027 gerechnet.

Etwas optimistischer klang dagegen der Stand beim Recepturhof. Für die Interimsbewirtschaftung führe die Stadt derzeit Gespräche, sodass dort möglicherweise zeitnah eine Lösung gefunden werden könne.

Keine neuen Erkenntnisse zur ALDI-Brücke

Weiterhin ungelöst bleibt auch die Wegsperrung an der sogenannten ALDI-Brücke. Das Thema soll künftig regelmäßig auf der Tagesordnung des Ortsbeirats stehen. Neue Informationen zur Instandsetzung gibt es bislang allerdings nicht.

Einstimmiges Votum für neue Wartehäuschen

Einstimmig verabschiedete der Ortsbeirat einen Antrag der Grünen, weiterhin zusätzliche Schutzhäuschen an der Haltestelle Ländcheshalle zu fordern. Ein privater Betreiber hatte die Aufstellung aus wirtschaftlichen Gründen abgelehnt. Nun soll die Stadt nach Wunsch des Ortsbeirats alternative Sponsoren oder Betreiber suchen.

Die nächste Sitzung des Wallauer Ortsbeirats findet am Donnerstag, 20. August 2026, statt. psn

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