5. Juni 2026

Neue Bushaltestellen in Wallau sorgen für Kopfschütteln

Barrierefrei bis zur Stolperfalle

Barrierefreier Zugang zum ÖPNV haben sich viele Wallauer anders vorgestellt.
Grüße aus Schilda! Der Zugang zu den neuen barrierefreien Bushaltestellen in Wallau ist oft nur mit Hindernissen "gepflastert". Foto: Petra Schumann

Wer derzeit durch Wallau läuft, könnte meinen, die Stadt habe das Prinzip der Barrierefreiheit neu erfunden. Nach und nach werden die Bushaltestellen im Ort barrierefrei umgebaut. Für Menschen mit Sehbehinderungen erleichtern taktile Leitsysteme aus weißen Pflastersteinen die Orientierung und zeigen den Weg zu den Haltestellen.

Ein sinnvoller und längst überfälliger Schritt.

Doch nur wenige Meter neben den neuen Orientierungshilfen zeigt sich ein anderes Bild. Der Zustand vieler Gehwege ist teilweise so schlecht, dass insbesondere ältere Menschen, Personen mit Rollatoren oder Gehbehinderungen sowie Eltern mit Kinderwagen täglich über Schlaglöcher, abgesackte Asphaltflächen und Stolperkanten navigieren müssen.

Das Beispiel an der Haltestelle im Gewerbegebiet zeigt den Widerspruch besonders deutlich: Während der Zugang zur Haltestelle für Sehbehinderte verbessert wurde, gleicht der angrenzende Gehweg stellenweise eher einer Hindernisstrecke. Wer hier unsicher zu Fuß unterwegs ist, kann schnell ins Stolpern geraten.

Barrierefreiheit endet nicht am Bordstein

Dabei bedeutet Barrierefreiheit weit mehr als Leitsysteme und abgesenkte Bordsteine. Sie umfasst den gesamten Weg zur Haltestelle. Ein taktiles Leitsystem nützt wenig, wenn der Gehweg daneben in einem Zustand ist, der für mobilitätseingeschränkte Menschen selbst zum Hindernis wird.

Auch ein weiterer Aspekt sorgt für Unverständnis: Im Zuge der Umbaumaßnahmen sind an zahlreichen Haltestellen die bisherigen Wartehäuschen verschwunden. Schutz vor Regen oder praller Sommersonne gibt es vielerorts nicht mehr.

Werbung entscheidet über Wartehäuschen

Auf Nachfrage der Grünen im Wallauer Ortsbeirat teilte der Magistrat mit, dass nicht die Stadt selbst über den Erhalt der Unterstände entscheidet. Zuständig sei vielmehr der Betreiber beziehungsweise Pächter der Wartehäuschen, der diese über Werbeflächen finanziert. Er entscheide letztlich, an welchen Standorten sich ein Unterstand wirtschaftlich lohnt und wo er abgebaut wird.

Für viele Bürgerinnen und Bürger ist diese Erklärung nur schwer nachvollziehbar. Schließlich dienen Bushaltestellen in erster Linie dem öffentlichen Nahverkehr und nicht der Vermarktung von Werbeflächen.

So bleibt am Ende ein zwiespältiger Eindruck: Die Stadt investiert in moderne barrierefreie Haltestellen, während marode Gehwege und fehlende Unterstände den Nutzen für viele Fahrgäste deutlich einschränken.

Oder anders gesagt: Der Weg zur Barrierefreiheit ist in Wallau manchmal erstaunlich holprig. psn

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