Mit großer Spannung war die Sondersitzung des Wallauer Ortsbeirats zum geplanten Gewerbegebiet Wallau Ost III erwartet worden. Im Mittelpunkt stand das neue Verkehrsgutachten, das die Auswirkungen des Baugebiets auf die ohnehin stark belastete Verkehrssituation rund um die Anschlussstelle Wallau Nord untersucht. Nach einer intensiven Debatte sprach sich der Ortsbeirat mit den Stimmen von CDU und FWG erneut ausdrücklich für die Entwicklung des Gewerbegebiets aus – knüpfte diese Zustimmung jedoch an klare Bedingungen.
Bereits zu Beginn der Sitzung machte Investor Peter Kunz, Vorstand der Lang & Cie. Real Estate AG, deutlich, dass sein Unternehmen den seit vielen Jahren bestehenden Planungen für Wallau III neues Leben eingehaucht habe. Durch den Ankauf der Flächen sei ein seit langer Zeit ruhendes Projekt wieder aufgenommen worden. Dass nahezu zeitgleich auch die Planungen für ein Gewerbegebiet in Diedenbergen begonnen hätten, sei reiner Zufall gewesen. Eine Abstimmung mit dem dortigen Investor habe es nicht gegeben. Er könne nachvollziehen, dass dadurch in der Bevölkerung Misstrauen entstanden sei, betonte jedoch ausdrücklich, dass beide Projekte unabhängig voneinander entwickelt worden seien.
Kunz widersprach außerdem Befürchtungen, Wallau III könne zu einem weiteren Standort für großflächige Logistikzentren werden. Aufgrund der vergleichsweise kleinen Grundstücksflächen und der hohen Grundstückspreise seien klassische Hochregallager wirtschaftlich kaum darstellbar. Stattdessen solle das Gebiet auch Flächen für kleinere und mittelständische Unternehmen aus Hofheim und der Region bieten. Der geplante Business Hub sei nur ein Bestandteil des Gesamtkonzeptes.
Auch Vorwürfe aus der Sitzung des Bauausschusses Anfang Juni wies Kuhns zurück. Das Verkehrsgutachten sei keineswegs ein parteiisches Gutachten des Investors. Vielmehr habe die Stadt Hofheim selbst das Darmstädter Büro ZIV empfohlen, das bereits seit längerer Zeit mit den örtlichen Verkehrsverhältnissen vertraut sei. Dass das Projekt zeitweise mit fehlerhaften Angaben in einem Immobilienportal veröffentlicht worden sei, sei auf einen menschlichen Fehler zurückzuführen. Die Angaben seien inzwischen korrigiert.
Gutachten sieht bestehendes Problem
Im Anschluss stellte das Gutachterbüro die Ergebnisse der Leistungsfähigkeitsuntersuchung vor. Die zentrale Aussage überraschte viele Besucher nicht: Die Anschlussstelle Wallau Nord gilt bereits heute beziehungsweise im Prognosenullfall – also noch ohne Wallau III – als überlastet. Das neue Gewerbegebiet verschärfe zwar die Situation, sei jedoch nach Einschätzung der Gutachter nicht deren Ursache. Vielmehr empfehlen sie verschiedene Maßnahmen, um einen größeren Teil des Verkehrs künftig über die Anschlussstelle Diedenbergen abzuwickeln und damit Wallau zu entlasten.
Genau an diesem Punkt setzte die politische Diskussion an. Vertreter von CDU und FWG erinnerten daran, dass der Ortsbeirat bereits seit Jahren auf die zunehmende Überlastung der Anschlussstelle Wallau Nord hingewiesen habe. Nach ihrer Auffassung bestätige das Gutachten diese Warnungen nun ausdrücklich.
Querspange bleibt Knackpunkt
Große Bedeutung erhielt dabei erneut die sogenannte Querspange zwischen dem bestehenden Gewerbegebiet „In der Lach“ in Diedenbergen und dem geplanten Gewerbegebiet Wallau III. Aus Sicht der Befürworter kann eine dauerhafte Verkehrsverlagerung zur Anschlussstelle Diedenbergen nur funktionieren, wenn beide Gewerbegebiete künftig auch direkt miteinander verbunden werden.
Erster Stadtrat Daniel Philipp erklärte jedoch, dass diese Querspange bereits vor längerer Zeit von der Stadtverordnetenversammlung verworfen worden sei. Eine Wiederaufnahme würde nach seiner Einschätzung ein neues Planverfahren erforderlich machen und sei deshalb kurzfristig nicht realisierbar.
Wirtschaft fordert neue Flächen
SPD und Bündnis 90/Die Grünen lehnten das Gewerbegebiet erneut grundsätzlich ab. Sie verwiesen auf die bereits heute bestehende Verkehrsbelastung in Wallau und sprachen sich stattdessen dafür aus, nochmals andere Flächen für neue Gewerbeansiedlungen im Stadtgebiet zu prüfen.
Dem hielten Vertreter der örtlichen Wirtschaft entgegen, dass geeignete Gewerbeflächen inzwischen kaum noch vorhanden seien. Der Wallauer Unternehmer Holger Helmiss schilderte, dass er bereits seit längerer Zeit vergeblich nach einer zusammenhängenden Lagerfläche von rund 200 Quadratmetern suche. Aus seiner Sicht seien die bestehenden Gewerbegebiete vollständig ausgelastet.
Auch Michael Ströhmann, Vorsitzender des Gewerbevereins Wallau, sprach sich für Wallau III aus. Neben dringend benötigten Gewerbeflächen verspreche er sich durch die Entwicklung des Gebietes auch Investitionen in die bestehende Infrastruktur. Marode Straßen und Zufahrten seien im heutigen Gewerbegebiet vielerorts ein erhebliches Problem. Gleichzeitig kritisierte er die außergewöhnlich lange Planungsdauer. Wallau III sei bereits seit mehr als zwanzig Jahren als Gewerbefläche vorgesehen, ohne dass es zu einer Umsetzung gekommen sei.
Kritik aus den Reihen der Gegner
Deutlich emotionaler wurde es bei den Wortmeldungen aus dem Publikum. Ein Besucher aus Diedenbergen warf der Stadt ein Versagen auf mehreren Ebenen vor. Sowohl die jahrzehntelange Planungsdauer als auch die Aussage, eine Querspange sei aus planungsrechtlichen Gründen derzeit nicht mehr möglich, stießen bei ihm auf scharfe Kritik.
Ortsbeirat formuliert klare Bedingungen
Am Ende verabschiedete der Ortsbeirat mit den Stimmen von CDU und FWG einen Beschluss, der die Entwicklung von Wallau Ost III ausdrücklich unterstützt, gleichzeitig aber konkrete Bedingungen formuliert. Gefordert werden unter anderem die Herstellung einer Straßenverbindung zwischen dem Gewerbegebiet „In der Lach“ und Wallau III, die Modernisierung der Ampelanlagen an der L3017, die Berücksichtigung der Auswirkungen der Wallauer Spange auf die Verkehrsprognosen sowie ein verbindliches Verkehrsmonitoring nach Inbetriebnahme des Gewerbegebietes.
Damit bleibt die politische Frontstellung bestehen: Während CDU und FWG das Gewerbegebiet als wichtigen Baustein für den Wirtschaftsstandort Hofheim ansehen und auf begleitende Verkehrsmaßnahmen setzen, lehnen SPD und Grüne das Vorhaben weiterhin grundsätzlich ab. psn

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