23. September 2026

Hofheimer werden selbst zu Kämmerern

Neues Finanzdashboard gestartet

digitales erklären ist die neue Bürgernähe.
Das neue Erklärvideo über die Finzanzsituation der Stadt Hofheim ist online. Foto: YouTube

Wie viel Geld fließt in die Kinderbetreuung, die Feuerwehr oder den Straßenbau? Und welche Folgen hätte es, Steuern zu erhöhen oder städtische Leistungen zu kürzen? Ein neues Finanzdashboard soll die angespannte Haushaltslage Hofheims verständlich machen und die Bürger stärker an der Diskussion beteiligen.

Mit einer virtuellen Schere eröffnete Bürgermeister und Kämmerer Wilhelm Schultze die neue Plattform. Entwickelt wurde sie gemeinsam mit den Hofheimer Unternehmern Konstantin Knapp und Fabian Sprey, die ihre Arbeit unentgeltlich zur Verfügung gestellt haben. Auch die Serverkosten in Höhe von 200 Euro übernimmt Knapp.

Finanzlage einfach erklärt

Zum Angebot gehört der Kurzfilm „Sehen. Verstehen. Mitgestalten.“ von Fabian Sprey. Darin erklärt Schultze die kommunale Selbstverwaltung und zentrale Begriffe aus der Verwaltung in einfachen Worten. Anhand von 100 Euro wird veranschaulicht, wofür die Stadt ihre Einnahmen ausgibt – und wie gering ihr finanzieller Gestaltungsspielraum derzeit ist.

Das Dashboard bereitet Erträge, Aufwendungen, Investitionen und die Entwicklung der städtischen Liquidität grafisch auf. Im Bereich „Wohin geht mein Euro?“ lässt sich nachvollziehen, welcher Anteil der Einnahmen unter anderem für Kinderbetreuung, Kreis- und Schulumlage, Feuerwehr, Straßen oder Kultur verwendet wird. Ein FAQ-Bereich beantwortet häufig gestellte Fragen.

Von links nach rechts: Konstantin Knapp, Fabian Sprey, Pressesprecher Jonathan Vorrath, Bürgermeister und Kämmerer Wilhelm Schultze, Erster Stadtrat Daniel Philipp.

Erster Stadtrat Daniel Philipp begrüßte die verständliche Darstellung. Er räumte ein, vor seiner Tätigkeit im Rathaus selbst kaum Einblick in die komplizierten Zusammenhänge kommunaler Finanzen gehabt zu haben. Bislang hätten Interessierte zahlreiche Haushaltspläne, Vorlagen und Finanzberichte durcharbeiten müssen, um sich ein vollständiges Bild zu verschaffen.

Bürger bestimmen virtuell über den Haushalt

Mit dem Simulationstool „Sie sind Kämmerer“ können die Nutzer selbst über den Hofheimer Haushalt bestimmen. Sie können beispielsweise Steuersätze verändern, Einnahmen erhöhen oder Ausgaben in einzelnen Bereichen kürzen. Die Auswirkungen auf Defizit und Rücklagen werden unmittelbar angezeigt.

Allerdings bildet das Tool die Wirklichkeit nur vereinfacht ab. Es arbeitet mit sechs gerundeten Stellschrauben und rechnet jede Veränderung sofort mit voller Jahreswirkung. Tatsächlich greifen viele Maßnahmen erst nach mehreren Jahren. Auch höhere Kreis- und Schulumlagen infolge wachsender Steuerkraft oder ein schrittweiser Personalabbau werden nicht vollständig dargestellt. Grundlage sind öffentliche Daten aus dem Haushaltssicherungskonzept 2026 bis 2029. Geprüft wurden die Angaben vom Fachbereich Finanzen. Verbindlich bleiben ausschließlich die Beschlüsse der städtischen Gremien.

Ideen werden an den Bürgermeister weitergeleitet

Bürger, Gewerbetreibende und Beschäftigte der Stadtverwaltung können die Plattform nutzen und dabei anonym bleiben. Ihre Eingaben und Vorschläge werden ausgewertet und an den Bürgermeister weitergeleitet. Die Beteiligung ist vom 1. bis 30. November vorgesehen. Rückmeldungen zu den eingereichten Ideen sollen im ersten Quartal 2027 folgen.

Konstantin Knapp sieht darin ein Instrument, um den Dialog zwischen Bürgerschaft und Verwaltung zu stärken und damit die Demokratie zu fördern. Das Tool solle „die Hofheimer in das Boot der Demokratie holen“. Innerhalb von drei Wochen sei das Dashboard mit Unterstützung künstlicher Intelligenz und ausschließlich auf Grundlage öffentlich zugänglicher Daten entstanden.

„Das ist jetzt der erste Aufschlag“, sagte Knapp. Die Plattform soll kontinuierlich aktualisiert und erweitert werden. Hofheim nimmt mit dem Projekt nach Angaben der Beteiligten eine Vorreiterrolle ein. Bei Erfolg könnte das System auch anderen Kommunen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Diese müssten allerdings die Kosten für Pflege und Betrieb selbst tragen. Bekannt gemacht werden sollen Dashboard und Kurzfilm über die städtische Homepage sowie die sozialen Netzwerke. red

One thought on “Hofheimer werden selbst zu Kämmerern”

  1. Danke Petra, für den Bericht und die Links.
    Danke Herr Bürgermeister, für das Video und die Ausführungen.
    Bei aller gewünschten Transparenz fehlen hier die Punkte, die das sog. „Kleinvieh“ ausmachen. Wie z.B. welche Fahrzeuge gibt es, mit welchen Kilometerleistungen?
    Der Ansatz der Transparenz ist lobenswert. Die Bürger mitmachen kassen, sollte m.E. jedoch einen Schritt weitergehen. Ein unabhängiges Controllerkomitee aus Bürgern, welche dies ehrenamtlich machen. Bestehend aus Fachleuten, von denen es in Hofheim (MTK) bestimmt sehr viele gibt.
    Man bedenke, dass einer der höchsten Grundsteuersätze dazu führen wird, dass Gewerbe abwandert. Selbst ich als Privatmann, der in 2026 insg. 420€ mehr an Grundsteuer abliefern muss, überlege Hofheim zu verlassen. D.h. es könnte ein Negativ-Effekt entstehen, welcher so bisher nicht zu kalkulieren ist.
    Wie soll mit neuen Gewerbegebieten neues Geld einfließen, wenn nicht Anreize für Gewerbetreibende geschaffen werden? Die Grundsteuer ist bestimmt kein Anreiz.
    Hier ist keine leichte Aufgabe zu lösen, da jeder Punkt aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden muss.
    Viel Glück bei der Aufgabe.

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