6. Oktober 2021

Ist Wallau heiß genug fürs Heizen? Erkundungsbohrung an der alten Ländcheshalle

Geothermie

Die LEA sucht in Wallau nach Erdwärme.
Erdwärem kann eine alterntive Heizquelle für Häuser und Wohnungen sein. Foto: Broschäre LEA (bearbeitet)

Sie möchten klimafreundlich Heizen und Kühlen? Mit Erdwärme kein Problem? Um zu bestimmen, ob und welches Erdwärmepotenzial in Wallau vorhanden ist, lässt die Stadt Hofheim durch eine Erkundungsbohrung an der alten Ländcheshalle ermitteln. Die Bohrung soll die Planung von Geothermieanlagen in der Region erleichtern.

Im ersten Halbjahr 2022 führt die LandesEnergieAgentur (LEA) Hessen auf dem Gelände der alten Ländcheshalle in Hofheim-Wallau eine oberflächennahe Erkundungsbohrung bis in eine Tiefe von 100 Metern durch.

Infoveranstaltung geplant

Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) ermittelt aus den gewonnenen Daten das Erdwärmepotenzial der Region. Die Ergebnisse werden in einem Steckbrief zusammengefasst und auf der Webseite des HLNUG veröffentlicht. Sollten wirtschaftlich nutzbare Wärmepotentiale gefunden werden, informiert die Stadt Hofheim die Anwohner zudem gezielt. In diesem Fall soll es eine Infoveranstaltung zu diesem Thema geben. Interessant werden die Ergebnisse vor allem für die Gestaltung einer ökologischen und nachhaltigen Energieversorgung für das Quartier, das auf dem Gelände entstehen soll. Aber auch die direkte Nachbarschaft kann profitieren, wenn dort Wärmepotentiale festgestellt werden sollten.

Geothermie ist für viele Immobilienbesitzende interessant

„Die Stadt Hofheim legt sehr viel Wert auf ein nachhaltiges und klimabewusstes Vorgehen, insbesondere bei der Entwicklung neuer Quartiere. Daher sehen wir hier eine große Chance, dass mit einer Nutzung von Erdwärme auf dem Gelände der alten Ländcheshalle eine noch nachhaltigere Bebauung möglich sein wird“, sagt Erster Stadtrat Wolfgang Exner. Stadtrat Bernhard Köppler: „„Die Erkenntnisse nützen nicht nur neuen Bauherrinnen und Bauherrn, sondern auch Bürgern, die ihre alten Heizkessel ersetzen wollen.“ Dr. Karsten McGovern, Geschäftsführer der LEA Hessen, ergänzt: „Geothermie ist für viele Immobilienbesitzende interessant: Sie funktioniert wetterunabhängig, produziert keinen Feinstaub und braucht nur wenig Platz. Zudem winken derzeit hohe Förderzuschüsse des Bundes und des Landes Hessen.“

Umweltfreundliche Gebäudeheizung

Denn mit Hilfe der zu gewinnenden Informationen können Bauherrinnen und Bauherren eigene Geothermieanlagen zuverlässig und effizient planen. Auch für den Ersatz von alten Heizkesseln können diese Anlagen als alternative und umweltfreundliche Gebäudeheizung zum Einsatz kommen. Bekanntlich ist das Erdgasnetz in Teilen von Hofheim-Wallau nicht ausgebaut worden. Somit könnte auch eine gute Alternative für den Ersatz von alten Heizölanlagen zur Verfügung stehen. Es ist jedoch immer eine Prüfung der vorhandenen Heizungsanlage nebst Heizkörpern erforderlich. Informationesbroschüren zum herunterladen finde Sie auf der Webseite der LEA.

Beobachter willkommen

Gerne können Interessierte die Baustelle im nächsten Jahr besuchen und sich ein Bild von den Bohrarbeiten machen. Gleichartige Bohrungen werden durchgeführt, wenn ein Gebäude mit Energie aus Erdwärme versorgt werden soll. Der genaue Bohrtermin wird noch bekannt gegeben.

Was ist Erdwärme?

Die im Erdinneren gespeicherte Wärme, auch Geothermie genannt, kann zum Heizen und Kühlen von Gebäuden, für die Warmwasserbereitung und Stromerzeugung genutzt werden. Die Wärme kommt aus dem Erdkern. Nach heutigen Erkenntnissen ist es dort heißer als 5.000 Grad Celsius. Die Temperatur im Boden steigt mit zunehmender Tiefe an: in Deutschland um etwa drei Grad Celsius pro 100 Meter. Nutzt man die Wärme aus maximal 400 Metern Tiefe, spricht man von oberflächennaher Geothermie. Sie grenzt sich von der tiefen Geothermie ab, die mehreren Kilometern in die Erde vordringt.

Die Wärme des Erdinneren ist praktisch unerschöpflich. Erdwärme zählt daher zu den erneuerbaren Energien. Die Nutzung von Erdwärme zum Heizen und Kühlen von Gebäuden ist ganzjährig, nachhaltig und effizient. Die Landesregierung fördert daher ihre Nutzung.

Wie kann Erdwärme in Gebäuden genutzt werden?

Die Erdwärme muss zunächst an die Oberfläche transportiert werden. Weit verbreitet sind dazu Erdwärmesonden. Sie werden mit Hilfe einer Bohranlage meist bis zu 100 Meter tief in die Erde eingelassen. In ihnen zirkuliert eine Trägerflüssigkeit, die sich unterirdisch erwärmt.

Wärmepumpen im Gebäude erhöhen anschließend die Temperatur noch weiter, um sie für die Heizungen und das Warmwasser nutzbar zu machen. Für jede Kilowattstunde Strom, die die Wärmepumpe benötigt, werden bis zu sechs Kilowattstunden Wärme erzeugt. Mit Hilfe der Erdwärmesonde kann zudem im Sommer gekühlt werden, da die Temperatur in 100 Metern Tiefe ca. 12 Grad Celsius beträgt.

Fakten rund um Geothermie-Projekte in Hessen
• In insgesamt 17 hessischen Kommunen hat die LEA LandesEnergieAgentur Hessen Erkundungsbohrungen beauftragt.
• Mit den gewonnenen Daten können Geothermieanlagen für private, kommunale und gewerbliche Gebäude
zuverlässiger geplant werden.
• Im ersten Halbjahr 2022 findet eine Erkundungsbohrung an der alten Ländcheshalle statt.
• Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, die Bohrstelle zu besuchen.
• Geothermie (Erdwärme) bezeichnet die im Erdinneren gespeicherte Wärme sowie deren energetische Nutzung.
• Erdwärme zählt zu den erneuerbaren Energien.
• Mit Erdwärme können Gebäude klimafreundlich geheizt und gekühlt werden – nachhaltig, effizient
und 24/7 verfügbar.

Hintergründe zum Projekt
Die LandesEnergieAgentur (LEA) Hessen führt im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen (HMWEVW) von 2021 bis 2022 in insgesamt 17 hessischen Kommunen oberflächennahe Erkundungsbohrungen durch. Fachtechnisch begleitet wird sie vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG).

In folgenden Kommunen werden Erkundungsbohrungen durchgeführt:

Alsfeld, Büdingen-Düdelsheim, Frankenberg (Eder), Frankfurt, Groß-Gerau, Habichtswald, Hofheim-Wallau, Homberg (Efze), Langgöns-Dornholzhausen, Offenbach, Pohlheim, Riedstadt-Goddelau, Solms, Stockstadt am Rhein, Twistetal, Vellmar und Waldeck. red

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